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Kaninchen

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Kaninchen werden nicht nur als Kuscheltiere in Kinderzimmern, sondern auch ihres Fleisches und Pelzes wegen in industriellen Mastanlagen gehalten. Dabei werden ihre natürlichen Lebensbedürfnisse oft so drastisch verletzt, dass der Schlachttermin in den meisten Fällen als "Erlösung" für die Tiere angesehen werden muss. PROVIEH will erreichen, dass die Haltung von Kaninchen konsequent an ihren Bewegungs- und sozialen Bedürfnissen ausgerichtet wird. Der Verkauf von Kaninchenfleisch aus qualvoller Haltung muss geächtet werden.

Über 25 Millionen Kaninchen werden jedes Jahr für den deutschen Fleischkonsum geschlachtet. Etwa 20 Prozent dieser Tiere stammen dabei aus industriellen Käfigmastbetrieben aus Deutschland, weitere 20 Prozent werden importiert. In großen Hallen, beleuchtet mit künstlichem Licht, stehen lange Reihen von Käfigen. In diesen sitzen jeweils 3 bis 6 Kaninchen auf engstem Raum. Dem einzelnen Tier steht in den knapp zwölf Wochen seines Lebens in der letzten Phase der Mast maximal 0,08 qm Platz zur Verfügung – die Fläche eines Din A4- Blattes pro Kaninchen wird in der Käfighaltung als „ausreichend“ bezeichnet. Artgemäße Bewegung wie Laufen, Springen, Männchen machen oder sich entspannt auf dem Boden wälzen sind in dieser Haltungsform nicht möglich. Daraus resultieren Wirbelsäulenverkrümmungen, besonders bei den trächtigen Weibchen. Umgeben von Gitterstäben, welche am Käfigboden als Ursache für schmerzhafte Verletzungen an den Pfoten (Pfotengeschwüre) bekannt sind, verbringen sie die meiste Zeit mit dem Fressen von Mastfutterpellets. Diese energiereiche Kost dient einer schnellen Gewichtszunahme, welche durch die mangelnde Bewegung früher zum gewünschten Schlachtgewicht führt. Allerdings begünstigt diese einseitige Ernährungsform Verdauungsstörungen, wie Durchfall oder Koliken, welche unbehandelt zum Tod des Kaninchens führen können.
Weibliche Kaninchen dienen dem Mastbetrieb vorrangig zur Nachwuchsproduktion. Das Muttertier wird einzeln gehalten, um den durch künstliche Besamung gezeugten Nachwuchs aufzuziehen. Alle vier Wochen wird durch künstliche Hormongaben eine dauerhafte Trächtigkeit erlangt. Der Stress durch ständige Trächtigkeit, Geburten und unzureichende Haltungsbedingungen (u. a. Hygienemängel, keine Rückzugsmöglichkeiten) führt dazu, dass diese mit der Aufzucht häufig überfordert sind. Ein gestörtes Mutter-Kind-Verhältnis in Form von Vernachlässigung der Jungen und Kannibalismus sind die Folge. Die Sterblichkeitsrate beim Nachwuchs liegt daher bereits bei 10 bis 15 Prozent. Nach 28 Tagen werden Mutter und Kind getrennt. Für die Männchen folgen die betäubungslose Kastration und der Umzug in eine Gruppe.

Hintergrund:
Ursprünglich wurden Kaninchen zur Schlachttierhaltung domestiziert. Durch ihre kostengünstige Haltung und schnelle Vermehrungsrate waren sie als Fleischlieferant besonders für Selbstversorger von großer Bedeutung. Heutzutage liefern uns Supermärkte ein umfangreiches Sortiment an unterschiedlichen Nahrungsmitteln, so dass die Kaninchenhaltung größtenteils nur noch als Hobby betrieben wird. Lebensmittelskandale im Zusammenhang mit Schweinen und Rindern führten allerdings dazu, dass die Nachfrage nach anderen Fleischsorten stieg. Und so wurde auch das Kaninchenfleisch wieder attraktiv. So attraktiv, dass inzwischen auch die Intensivtierhaltung sich dieser Tiere angenommen hat. Denn durch die vermehrte Nachfrage haben Supermärkte das Fleisch nun auch in ihr Sortiment aufgenommen.  Die daraus entstandenen Kaninchenmastanlagen sind von der Grundidee der Käfighaltung von Hennen ähnlich und beruhen auf dem wirtschaftlichen Prinzip „ geringer Einsatz, hohe Gewinne“. Ausgehend von dem artgemäßen Verhalten der Kaninchen ist diese Haltungsform tierschutzwidrig.

Was brauchen Kaninchen für die artgemäße Haltung:
Sozialverband: die natürliche Gruppenbildung einer Population besteht aus einem Rammler, mehreren Häsinnen und dem Nachwuchs. Interaktionen, wie die gegenseitige Fellpflege, gemeinsames Ruhen, die Futtersuche oder das gemeinschaftliche Warnsystem (Klopfen um Artgenossen vor Gefahren zu warnen), gehören zu den natürlichen Verhaltensweisen. Einzelhaltung führt dazu, dass Kaninchen Verhaltensstörungen wie Lethargie oder Aggression entwickeln können.
Bewegungsfreiraum: der natürliche Alltag eines Wildkaninchens besteht hauptsächlich aus der Futtersuche, die sich über den ganzen Tag verteilt. Als potenzielles Beutetier besitzen sie  ein eigenes Sicherheitssystem: bei Gefahr flüchten sie, wobei ihre Schnelligkeit und die Fähigkeit des Hakenschlagens ihnen einen Vorteil verschaffen kann. So können sie sich meist rechtzeitig in ihren eigens gegrabenen Gängen und Bauten verstecken. Immer begleitet von einem instinktiven Fluchtverhalten erkunden sie die Umgebung, wobei sie sich auch gerne für eine bessere Wahrnehmung aufrichten. Wird das Verhalten und die Bewegung durch Platzmangel eingeschränkt, sind körperliche Schädigungen die Folgen: Verfettung, Verdauungsstörungen, Abbau von Muskelmasse, Verhaltensstörungen (z. B. Gitternagen, Aggressionen) und Verletzungen durch panische Reaktionen (z.B. Genickbrüche).
Ruheplätze/ Rückzugsmöglichkeiten: Kaninchen brauchen Orte, um sich einzeln oder in der Gruppe entspannen zu können. Ausweichmöglichkeiten bei Konflikten unter einzelnen Tieren, Versteckmöglichkeiten vor Gefahren und einen sicheren Unterschlupf für den Nachwuchs sind grundlegend für die Stressvermeidung. Ein Mangel verstärkt das Aggressionsverhalten, welches sogar bis hin zu tödlichen Verletzungen führen kann. Ebenso sind Vernachlässigungen der  Nachwuchsversorgung zu beobachten.
Platzansprüche: Neben einem großen Bewegungsfreiraum ist die Trennung zwischen Futter-, Schlaf- und Ausscheidungsplatz ebenfalls sehr wichtig. Kaninchen nutzen spezielle Orte, besonders zur Reviermarkierung, an denen sie Kot und Urin hinterlassen. Eine zu kleine Unterbringung veranlasst die Tiere dazu, in ihren eigenen  Ausscheidungen zu liegen und verschmutztes Futter zu fressen. Dieses ist aus hygienischen Gründen sehr bedenklich: Infektionen,  Hautreizungen (bis hin zu Geschwüren) durch den Urin und Ungeziefer werden zur Gefahr.

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